Unterrichtsprojekt – Fake News

Während meines Aufenthalts an einer DSD Schule durfte ich im Rahmen des Deutschunterrichts das Thema „Digitale Welt in Deutschland“ in einem kleinen Unterrichtsprojekt abbilden. Außer dass Digitalisierung große gesellschaftliche Auswirkungen hat, ist es gleichzeitig ein Themenkomplex in den DSD Prüfungen.

Aufgrund der thematischen Nähe meiner beruflichen Fachrichtung „Medientechnik“ wurde mir in diesem Bereich eine gewisse Kompetenz zugesprochen. Aus diesem Grund hatte ich bei der Entwicklung des Projekts so ziemlich alle Freiheiten. Zur Auswahl standen jedoch die Themenbereiche:

  • Datenschutz,
  • Soziale Medien,
  • Digitales Lernen und
  • Digitalisierung der Arbeit.

Da musste ich für mich zunächst feststellen, dass ich nicht wirklich einschätzen konnte, was an diesen Themen Schülerinnen und Schüler wirklich interessieren könnte. Aus lauter Verzweiflung setzte ich erstmal einen Tweet zur Vorbereitung ab, um Unterrichtsideen zu finden. Auf jeden Fall eine große Bereicherung mit sehr guten Denkanstößen. Hier der Tweet zum Nachverfolgen:

Bei der Recherche bin ich dann schließlich auf die tollen Materialien von „so geht MEDIEN“, einem Projekt zahlreicher Medienpartner aus den öffentlich-rechtlichen Sendern, gestoßen, in dem einige Medienthemen für Jugendliche und Kinder ansprechend aufgearbeitet wurden.

Die Entscheidung

Besonders interessant fand ich die Videos und das Material zum Thema „Fake News“, da sich die SuS der 10/11 Klasse, in der ich den Unterricht machen sollte, gerade in dem Alter befinden, in dem sie sich eine Meinung bilden können/ sollen und gleichzeitig stark von sozialen Medien beeinflusst werden. Das Aufbäumen von Populisten und einer generellen Skepsis gegenüber den Leitmedien waren für mich zudem ausschlaggebende Gründe diesem Thema Zeit zu widmen. Darüber hinaus ist mir während der drei Monate in Polen aufgefallen, dass die Stimmung und Meinung gegenüber Geflüchteten in Deutschland bei polnischen Schülern und Lehrern in eine ganz bestimmte Richtung gehen. Deshalb habe ich mich entschlossen, das Thema Fake News insbesondere auf Geflüchtete auszurichten.

Das Konzept

Mit kleinen Unterrichtskonzepten gibt das Team von „so geht MEDIEN“ erste Ideen und Anregungen für den eigenen Unterricht. Nach langer Überlegung habe ich in die Trickkiste gegriffen, einmal kräftig umgerührt und daraus meinen Ablaufplan erstellt. Im Folgenden möchte ich meine Erfahrungen mit dem Material und dem Unterrichtskonzept für zwei 90 Minuteneinheiten darstellen.

Teil 1 (90 Min): Fake News erkennen

Das zentrale Ziel dieser Stunde ist es, die Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, Methoden des Erkennens von Fake News an die Hand zu bekommen. Dazu erstellen und präsentieren die Schülerinnen und Schüler ein Plakat, aus dem deutlich wird, was das Problem der Fake News ist und wie man sie erkennen kann. Als Zielgruppe des Plakats werden jüngere Schülerinnen und Schüler definiert, damit sie das Plakat mit entsprechendem Fokus erstellen.

Ablauf und Material

Für den Einstieg gibt es eine reale „Fake News“ aus dem Jahr 2016 über ein vermisstes 6-jähriges Mädchen, was scheinbar von zwei Flüchtlingskindern entführt wurde. Die klare kriminelle Absicht dieser Anzeige (Abo-Falle) wird jedoch erst nach dem Klick auf den Link deutlich (hier die Erklärung). Dazu dürfen die SuS spekulieren, was hier passiert ist. Wissen die SuS vorher nicht, dass es bei der Einheit um Fake News gehen soll, gehen die Spekulationen in interessante Richtungen (wie hier dargestellt). Nachdem die Lehrkraft den Hintergrund aufgeklärt hat, kann ein Video gezeigt werden, das das Erkennen von Fake News thematisiert (Video: Fake News im Netz erkennen). Mit diesem Input haben die SuS genug gesehen und können in die praktische Umsetzung gehen. Für die Plakaterstellung können noch zusätzliche Materialien (z.B. Bilder oder weitere Beispiele für Fake News) zur Verfügung gestellt werden. Die folgenden Materialien habe ich zur Verfügung gestellt, ohne näher auf sie einzugehen. Die SuS haben sie trotzdem gelesen und für die Plakate verwendet:

Natürlich kann man hier die Schülerinnen und Schüler nach eigenen Inhalten suchen lassen. Da bei meinem Unterricht noch zusätzlich die sprachliche Hürde relativ hoch war, habe ich mich zu entschlossen, Materialien und Texte vorher auszuwählen.

Ergebnisse

Hier sind drei Beispiele von Schülerplakaten:

 

Kurz zusammengefasst

Die SuS und ich hatten bei dieser Einheit sehr viel Spaß. Durch die ansprechende Aufbereitung des Themas in dem Video und der anschließenden Darstellung der wichtigsten Aspekte auf einem Plakat konnte die Motivation und das Interesse der SuS aufrechterhalten werden. Ob die Ziele erreicht wurden, wird sich jedoch erst später herausstellen.

Teil 2 (90 Min): Fake News und ihre gesellschaftliche Wirkung

In der zweiten Einheit wird das Thema Fake News auf eine höhere Ebene gehoben. Den Schülerinnen und Schülern soll in diesen Stunden klarwerden, welchen gesellschaftlichen Einfluss Fake News haben können.

Ablauf und Material

Ausgangspunkt dieser Einheit ist erneut ein Video der Initiative „so geht MEDIEN“, in dem ein Reporter den Spuren einer Fake News (Facebook-Post) über eine Vergewaltigung durch Flüchtlinge nachgeht. Dabei trifft er auf verschiedene Personengruppen, die mit diesem Facebookpost zu tun hatten oder von ihm beeinflusst wurden:

  • Verfasser des Posts,
  • Facebook-User,
  • Polizist,
  • Jugendliche in der Stadt und
  • Flüchtlinge.

Nachdem die SuS das Video angeschaut haben, erstellen sie in Gruppen eine Mindmap zu den folgenden Fragen und präsentieren diese anschließend im Plenum (Unterrichtsvorschlag):

  • Was hat die Person getan (kurz)?
  • Welchen Standpunkt hat die Person eingenommen?
  • Wie hat sich ihr Verhalten nach dem Fake geändert?
  • War die Person glaubwürdig?
  • Hättet ihr genauso reagiert?

An dieser Stelle wurden in meinem Unterricht in Polen vor allem die Vorurteile gegenüber den Flüchtlingen deutlich, die einen hervorragenden Ausgangspunkt für eine Diskussion boten. Von dieser Stelle an kann einfach in die nächste Phase übergeleitet werden, in der es um die gesellschaftliche Wirkung solcher Posts geht. Um das Abzuschließen habe ich mit Padlet eine Wand erstellen lassen, auf die die Schülerinnen und Schüler Verhaltensregeln eintragen und anschließend mit einem „Linke“ bewerten sollten.

Ergebnisse

Hier die Padlet-Wand zu den Verhaltensregeln in den sozialen Medien:

Mit Padlet erstellt

Fazit

Es war nicht nur für die SuS ein spannendes Thema. Durch die interessante Darstellung in den Videos und die interaktiven Formate konnte das Interesse der SuS über weite Strecken aufrechterhalten bleiben. Da ich den Unterricht in Klassen von 35 SuS durchgeführt habe, ist die Klassenstärke sicher kein Problem, der Marktplatz hält die Schüleraktivität bis zum Schluss recht hoch. Interessant war vor allem, dass die Inhalte aus der ersten Einheit (Erkennen von Fake News) von den Schülerinnen und Schülern wieder in der zweiten Einheit aufgegriffen wurden.

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