Haltung und Werte von Lehrkräften: TZI Grundausbildung

Als junger Erwachsener hatte ich vor 3 Jahren das Glück, in das Förderprogramm des Ruth Cohn Instituts (RCI) für die TZI Grundausbildung in Frage zu kommen. Junge Menschen bis zum 27. Lebensjahr können das Privileg genießen, die TZI Grundausbildung zu sehr günstigen Konditionen zu durchlaufen. Günstige Konditionen hin oder her, die Frage ist wohl eher, was genau diese TZI ist. Die themenzentrierte Interaktion (kurz TZI) ist:

  • Eine Methode zur Leitung von Gruppen,
  • eine Einstellung zum Miteinander,
  • eine Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung,
  • ein Wertekompass für das Leben,
  • eine Therapiemethode,
  • ein Coachingprogramm,
  • eine Methode aus dem Humanismus,
  • eine Hilfe zur Unterrichtsplanung und -reflexion,
  • ein Ansatz zur Teamführung,
  • das, was du daraus machst,
  • etc.

Ihr seht, dass es mit ein paar Worten nicht getan ist. Eine Dokumentation der TZI Systematik soll dieser Beitrag auch nicht sein. Deshalb nehme ich mir jetzt die Zeit, meinen persönlichen auf die zweijährige Ausbildung zu schildern.

Warum eine günstige Ausbildung?

Auf der Seite des RCI findet man die Motivation der Menschen, die die TZI Grundausbildung zu einem so günstigen Preis anbieten.

„Die Idee ist, die TZI-Ausbildung möglichst vielen jüngeren Menschen, die sich noch in Ausbildung befinden, zugänglich zu machen und ihnen so eine weitere wichtige Berufsqualifikation zu ermöglichen. Diese Ausbildung fördert die Stärkung der Persönlichkeit und die Entwicklung zu selbstbewussten Menschen, die anderen mit Achtung begegnen.“

Natürlich versucht der Verein dadurch auch den Nachwuchs für die TZI zu begeistern. Es ist nicht zu verbergen, dass die TZI ihre „schillerndste“ Zeit im 20. Jahrhundert hatte, obwohl die Ideen wichtiger sind denn je. Deshalb gibt es auch wohl diese Initiative für junge Menschen.

Was ist TZI (für mich)?

Auch wenn TZI nicht wirklich bekannt ist, gibt es auch hierfür einen Wikipedia Artikel und interessante wissenschaftliche und weniger fundierte Beiträge. Hier könnt ihr die wichtigsten Grundlagen für die TZI nachlesen. Für mich persönlich ist TZI eine große Bereicherung in der beruflichen und privaten Kommunikation und im Umgang mit Menschen. Klar, jeder kann mit Menschen umgehen, aber ist es professionell, und ist man sich als professioneller Kommunikator (z.B. Lehrer oder Führungskräfte) immer bewusst, auf welcher Wertebasis man handelt? Ich finde, dass man sich dieser halbwegs bewusst sein sollte, wenn man mit anderen Menschen arbeitet und über andere Menschen entscheidet. Die TZI ist eine Art Wertekompass.

Ergänzung meiner Lehramtsausbildung durch TZI

Die eigenen Erfahrungen als Schüler und die Erlebnisse im Praktikum lassen mich häufig über die überfachlichen Aspekte des Lehrerberufs nachdenken. Wenn mir 20-30 junge Menschen mehr oder weniger freiwillig in einem Klassenraum gegenübersitzen, bedarf es mehr als gutes Fachwissen, um den Unterricht zielführend gestalten zu können. In der Formulierung der Kompetenzen der Lehrerbildung (z.B. Erziehen und Innovieren) zeigt sich bereits auf den ersten Blick, dass dieser Gedanke begründet ist. Auch in der Kompetenzforschung zur beruflichen Handlungskompetenz von Lehrerinnen und Lehrer ist Professionswissen nur ein Baustein von vieren, die zur professionellen Handlungskompetenz führen. Professionswissen wird im Gros in der ersten Ausbildungsphase vermittelt. Die anderen Bausteine sind für mich am Ende des Masters nur schwer zu erkennen. Diese Aspekte der Handlungskompetenz sind in den traditionellen Formaten der universitären Ausbildung auch nur schwer zu vermitteln.

„Überzeugungen/ Werthaltungen“, „motivationale Orientierung“ und „selbstregulative Fähigkeiten“ sind Aspekte der Handlungskompetenz, die auf autobiografischen Erfahrungen, Persönlichkeitsmerkmalen, Wünschen und Lebenszielen aufbauen. Ist es dann nicht erforderlich diese Aspekte mindestens gleichwertig neben die Fachlichkeit im Lehramt zu stellen? Wenn die Vermittlung von Werten und Normen sowie die Konfliktlösung wichtige Kompetenzen sind, zu denen angehende Lehrkräfte befähigt werden sollen, ist es dann nicht auch unumgänglich zu fragen, welche persönlichen Überzeugungen, Erfahrungen und Haltung dahinterstehen?

Erst in der Begegnung mit anderen kann ich diese Aspekte erkennen und eine klare Position entwickeln. Die Ausbildung in der themenzentrierten Interaktion hat bei mir wesentlich dazu beigetragen, dass ich meine Überzeugungen und Haltung zum und im Lehrerberuf kritisch hinterfragen musste. Zahlreiche Situationen in einem Praktikum haben mir zudem gezeigt, dass die Entwicklung einer (humanen) Haltung, im Sinne der humanistischen Psychologie, oder eines allgemeinen Berufsethos für mich einen hohen Stellenwert haben, da ich als angehende Lehrkraft, zumindest mit der Notengebung, einen starken Einfluss auf das Leben junger Menschen haben werde.

Axiome

Dabei beziehe ich mich auf Postulate und die Axiomatik der TZI, die mir persönlich einen guten Wertekompass bieten, um bei den teilweise widersprüchlichen Erwartungen im Schulkontext nicht die „Orientierung“ zu verlieren. Für mich gehört es zum Schulalltag und zur Haltung eines Lehrers, immer wieder eigene und formale Grenzen zu hinterfragen (Axiom 3) und meine Abhängigkeiten zu kennen (Axiom 1), um handlungsfähig zu bleiben und bewusste Entscheidungen treffen zu können. Ich glaube, dass mir diese Einstellung wichtige Fragen zur Reflexion meines Handelns in „extremen“ Situationen liefern kann. Die zahlreichen Belastungen im Alltag brauchen zum Teil schnelle Lösungen, es bleibt aber meist meine Entscheidung (Chairman), anhand welcher Kategorien ich sie treffe.

Berufliche Autonomie

Die „berufliche Autonomie“ im Lehrerberuf benötigt auch eine Forderung nach Orientierung. Wenn berufliche Schulen zudem Schülerinnen und Schüler zur „Mitgestaltung der Arbeitswelt und Gesellschaft in sozialer und ökologischer Verantwortung befähigen“ sollen, müssen auch Lehrerinnen und Lehrer einen entsprechenden (gemeinsamen) Wertekanon haben. Die Axiomatik und der oben skizzierte Bildungsauftrag beruflicher Schulen hat auch auf der Ebene des Unterrichtens wichtige Implikationen. Der Aspekt der Persönlichkeitsbildung ist auch in der TZI tief verankert.

Der Ablauf der Ausbildung (Ausbildung 2015/2017)

Um diese Aspekte zu reflektieren, braucht es Zeit. Die gesamte Ausbildung ist in 6 bzw. 7 Module eingeteilt, die innerhalb von 2 Jahren absolviert werden. Jedes Modul dauert 5 Tage und wird in einer festen Ausbildungsgruppe durchgeführt. Das hört sich formaler an, als es ist, da die gesamte Ausbildung anders abläuft, als man es vielleicht von Seminaren und Fortbildungen kennt. Hier eine kurze Übersicht zu den einzelnen Kursen:

  • Entscheidungsworkshop (EWS – Wochenende): Im EWS geht es vor allem darum die Gruppe kennenzulernen, da man die nächsten 2 Jahre mit ihr eine intensive Zeit erlebt. Neben einem kleinen Überblick über Inhalte und Curriculum der Ausbildung steht vor allem die Entscheidung an, ob man die Ausbildung machen möchte.
  • Persönlichkeitskurs 1: Ich bin kein unbeschriebenes Blatt – Meine Persönlichkeit und ihre Entwicklung
  • Methodenkurs 1: Haltung und Methode gehören zusammen – Leiten mit TZI
  • Persönlichkeitskurs 2: Ich bin mein eigenes Handwerkszeug – Persönlichkeit und Leitung
  • Methodenkurs 2: Der Weg einer Gruppe – Stolpersteine eingeschlossen
  • Methodenkurs 3: Am Ende der Ausbildung – wie stehe ich da?! Rückschau, Ertrag, Transfer
  • Zertifikatsworkshop
  • Externer Persönlichkeitskurs: Ein weiteres Modul wird als externer Persönlichkeitskurs absolviert.

Orte

Wenn man über TZI Kurse spricht, muss man auch erwähnen, dass es immer besonders schöne und ruhige Orte sind, an denen die Ausbildung stattfindet. Meine Ausbildung fand am Fuße der Alpen statt.

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