Russische Küche. Ein genussreicher Ausflug.

Ein guter Wein in familiärer Atmosphäre an einem lauen Sommerabend in Rom, eine opulente Platte Meze in den Gassen Istanbuls oder ein einfaches Fischbrötchen am Hamburger Fischmarkt um 6 Uhr morgens. Das Besondere am Reisen sind nicht nur schöne Landschaften oder monumentale Architektur, es sind häufig die neuen, geschmacklichen Eindrücke, die als gute Erinnerung im Gedächtnis bleiben. Mit welchen Eigenschaften und Eigenheiten wird die russische Küche verbunden?

Was ist russische Küche?

Russische Restaurants gibt es in Deutschland kaum und wenn, dann nur in großen Städten. Die wenigsten Deutschen konnten wahrscheinlich die Kochkünste einer russischen Hausfrau in Deutschland genießen, da die Russen meist unter sich bleiben. Es bieten sich nur wenige Möglichkeiten die Vielfalt der russischen Küche kennenzulernen. Jemand der schon mal in Russland war, wird wahrscheinlich nicht von einer kulinarischen Offenbarung sprechen. Ist man ehrlich, dann sind die wenigen Gerichte, die es aus der hausfraulichen Obhut in die gehobene Gastronomie geschafft haben, auf zwei Händen abzählbar. Der ewige Verkaufsschlager der Sternegastronomie ist wohl immer noch Kaviar, danach kommt lange nichts und irgendwann erinnert man sich an eine Backmischung russischen Zupfkuchens aus dem Discounter. Die russische Küche ist eher für ihre Ein- höchstens Zwei-Dimensionalität und Deftigkeit bekannt.

Sowjet Café am Newski Prospekt
Sowjet Café am Newski Prospekt
Sowjet Café am Newski Prospekt  (1)
Sowjet Café am Newski Prospekt (1)
Sowjet Café am Newski Prospekt (2)
Sowjet Café am Newski Prospekt (2)

Echte russische Küche

Gibt es die echte russische Küche? Nach der Öffnung der Grenzen in den 90ern hat sich auch vieles in der russischen Gastronomie getan. Inzwischen kann man von der französischen Patisserie, bis zum japanischen Sushi Imbiss in St. Petersburg alles finden. Das heißt, dass man geschickt den russischen Gaumenfreuden ausweichen kann, wenn man möchte.
Wenn es jemanden allerdings doch reizt und der Wunsch unter irgendwelchen Umständen und geistigen Verwirrungen entsteht, russische Spezialitäten probieren zu müssen, kann man dies in einer Stolovaya (столовая) oder einem sowjetischen Restaurant bzw. Café nach aller Herzenslust tun. Die wichtigste Anlaufstelle für Gourmets auf der Suche nach Ostalgie ist wahrscheinlich Stolovaya №1 (Столовая №1) oder das Sowjet Café Datschniki (Дачники), die sich beide am am Newski Prospekt befinden. Auch wenn der Newski Prospekt einer der touristischsten Orte in St. Petersburg ist, sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. In diesen Lokalen findet man alles, was das Rezeptbuch einer russischen Hausfrau hergibt:

  • Pelmeni (Пельмени): Teigtaschen mit pikanter Fleischfüllung,
  • Piroschki (Пирожки): Gebackene Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen, von süß bis deftig,
  • Borschtsch (Борщ): Eine Kohlsuppe mit roter Bete,
  • Eingelegter Kohl: Der gilt als selbstständiger Salat ,
  • Pischki (Пышки): Ein Ring aus Hefeteig, der in Fett ausgebacken mit Puderzucker genossen wird, um nur einige wenige zu nennen.
Russische Küche pischki
In Fett ausgebackene Teigringe, mit Puderzucker bestreut
Piroschki (links), Pelmeni (rechts), Fleisch (mitte)
Piroschki (links), Pelmeni MIT DILL! (rechts), Fleisch (mitte)

Bricht man dies allerdings auf die Zutaten herunter, erkennt man, dass nicht viel für ein russisches Gericht benötigt wird: Weizenmehl, Kartoffeln, rote Bete, (eingelegter) Kohl, Zwiebeln und Fleisch. Nicht zu vergessen ist natürlich die wichtigste Zutat, die in keinem russischen „Salat“ fehlen darf: Mayonnaise. Bereits aus diesen Basiszutaten lassen sich die wichtigsten russischen Nationalgerichte zaubern. Theoretisch gesehen lassen sich so 7! Also über 5000 verschiedene Kombinationen erschaffen.
Leider ist der Einfluss der russischen Küche auf die sesshaft gewordenen Restaurants nicht ohne Einfluss vorübergegangen. Es waren scheinbar an der einen oder anderen Stelle einige Modifikationen notwendig, um dem russischen Gaumen ausländische Gerichte schmackhaft zu machen. In beinahe keinem russischen Gericht darf DAS Gewürz fehlen – Dill. Bestellt man beispielsweise in einer Pizzeria und wird gefragt, ob man Kräuter (Зелен) auf seine Pizza haben möchte, kann man sicher sein, dass die freudige Erwartung auf frisches Basilikum, Majoran oder ein anderes italienisches Gewürz durch einen Bund frischen Dills enttäuscht wird. Ich bin mir nun auch aus Erfahrung sicher, dass Pizza und Dill keine Freunde sind!
Von meinem Ressentiment mit der russischen Küche absehend, habe ich ihr während meines Auslandssemesters in St. Petersburg die ein oder andere Chance gegeben, sich von einer besseren Seite zu zeigen. Leider konnte sie mich auch bei diesen Möglichkeiten nicht überzeugen. Deshalb werden wir, die russische Küche und ich, in diesem Leben wohl auf keinen grünen Zweig kommen. Ich möchte allerdings jedem raten, der die russische Küche probieren möchte, dies auch zu tun. An ihr gibt es nichts auszusetzen, sie ist nur schrecklich einfach.

Nostalgische Erinnerungen

Zu den kurzen Intermezzi mit der russischen Küche gehörten für mich einige Gerichte aus meiner kurzen Kindheit in Russland. Abgesehen von den oben genannten Gerichten, die jede russische Hausfrau aus dem Ärmel schütteln kann, habe ich mich in der ersten Zeit meines Aufenthalts auf die Suche nach Produkten und Gerichten gemacht, die man nur in Russland kaufen kann.

Törtchen (Тортики)

Eine der strahlenden Erinnerungen meiner Kindheit sind natürlich Süßigkeiten. Hier stechen insbesondere die kleinen süßen Törtchen mit verschiedenen Konfitüren und Cremes hervor, die man als Kind häufig nur von der anderen Seite der Vitrine betrachten konnte.

Törtchen

Bonbons (Конфеты)

Russische Bonbons gehören nicht unbedingt zur Weltspitze, sie habe allerdings durch ihre Vielfalt und die bunten Folien einen gewissen Reiz auf Kinder und Erwachsene.

Russische Bonbons
Russische Bonbons

Russische Kinderwurst (докторская колбаса)

Ein ewiger Verkaufsschlager scheint die russische Kinderwurst zu sein. Während sie in Deutschland mit dem wöchentlichen Gang zum Metzer und der lieben Fleischfachverkäuferin, die immer eine Scheibe übrig hat, verbunden ist, scheint diese Wurst nur mit dem Gefühl verbunden zu sein, dass sie in der Sowjetunion vorhanden war. Ich habe mir sagen lassen, dass dieses rosa- bis pinkfarbene Monstrum im Plastikschlauch zur Zeit der Sowjetunion zwar keine Kinder, allerdings alles andere enthalten konnte.

Wurst

Genau wie andere Küchen der Welt, muss auch die russische Küche Liebhaber haben. Für mich war und bleibt sie allerdings nur ein Schatten in meinen Erinnerungen.

Weitere Links zum Thema

YouTube Pelmeni Rezept

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