Wer definiert die Reflexionskompetenz für Lehrer?

reflexionskompetenz

Der Lehrberuf erfordert neben der fachlichen Auseinandersetzung mit den Inhalten wohl eine der wichtigsten Fähigkeiten, um professionell handeln zu können: Die Reflexionskompetenz. Da ich bereits ein paar Beiträge zum Reflektieren verfasst habe (z.B. Reflektieren mit TZI oder Reflexion des Lernens), hatte ich für mich das Gefühl, mal genauer hinschauen zu müssen. Was ist eigentlich diese ominöse Reflexion und wer legt eigentlich fest, dass und was (angehende) Lehrkräfte reflektieren sollen?

Ob es die Unterrichtsreflexion im Schulpraktikum, die Reflexion eines Vortrages oder die Reflexion in einer Hausarbeit war, in jeder Veranstaltung war dieses Wort ständig präsent. Warum und wie man reflektiert, war mir jedoch nicht immer deutlich.

Warum ist Reflexion im Lehrberuf wichtig?

Wer definiert, was genau Reflexionskompetenz ausmacht? Wenn sie für den Beruf so wichtig ist und von allen Seiten gefordert wird, muss sie auch von institutioneller Seite in der Ausbildung von Lehrern als staatliche Aufgabe berechtigt sein. Da es unglaublich viele Kräfte gibt, die an der Ausbildung der Lehrkräfte beteiligt sind, reden natürlich auch alle in Bezug auf die Reflexionskompetenz der Lehrkräfte mit.

Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) teilt den einzelnen Disziplinen, die an der Ausbildung von Lehrern beteiligt sind, unterschiedliche Facetten der Reflexivität zu. Die Fachwissenschaften haben die Aufgabe, den Studierenden eine analytisch-kritische Reflexionsfähigkeit zu vermitteln, die Fachdidaktiken sollen die fachbezogene Reflexion fokussieren, wohingegen die Bildungswissenschaften die Studierenden auf die Reflexion ihrer beruflichen Tätigkeit in der Schule und damit auf die Selbst- und Fremdevaluation vorbereiten sollen.

Hamburger Kommission Lehrerbildung (HKL)

Auch die Hamburger Kommission Lehrerbildung (HKL) sieht in der Entwicklung einer reflexiv-empirischen Haltung durch die Studierenden ein zentrales Ziel der ersten Ausbildungsphase im Lehramt. Die Studierenden sollen theoretisches „Wissen reflexiv auf die Praxis, das heißt auf empirisch vorfindliche Situationen und Probleme ihres Berufsfeldes […]“, beziehen.

Kultusministerkonferenz (KMK)

Die KMK setzt als eines der Ziele der Lehrerausbildung bei den Studierenden einen distanzierten, theoretisch abgesicherten und empirisch fundierten Blick zu entwickeln, der insbesondere in der schulpraktischen Erfahrung gefördert werden könne. Lehrer sollen das eigene Handeln reflektieren und theoretisch begründen, indem sie „nach wissenschaftlichen Erkenntnissen“ Lehr- und Lernprozesse gestalteten, organisieren und reflektieren.

In den KMK-Standards für Bildungswissenschaften definiert die KMK vier Kompetenzbereiche: Unterrichten, Erziehen, Beurteilen und Innovieren. Diese werden wiederum in elf Kompetenzen gegliedert. Jeder Kompetenz werden zwei bis sechs Standards (Kompetenzformulierungen) für jeweils den theoretischen bzw. praktischen Ausbildungsabschnitt zugeordnet. In jedem der vier Kompetenzbereiche gibt es Hinweise auf die Reflexivität. Diejenigen Kompetenzen, die explizit das Reflektieren ansprechen, werden in den Kompetenzbereichen Unterrichten, Erziehen und Innovieren benannt. Dabei geht es um die kritische Auseinandersetzung sowohl mit theoretischen und empirischen Erkenntnissen sowie der Passung zur eigenen Praxis (Unterrichten), mit eigenen und demokratischen Werten (Erziehen) als auch der „eigenen beruflichen Haltung, Erfahrung und Kompetenzen“ im Bereich Innovieren. Im vierten Kompetenzbereich „Beurteilen“ wird folgende übergeordnete Kompetenz formuliert: „Lehrerinnen und Lehrer beraten sach- und adressatenorientiert und üben ihre Beurteilungsaufgabe gerecht und verantwortungsbewusst aus“. Dies erfordert, wie im Kompetenzbereich „Erziehen“ die Reflexion von Werten und Werthaltungen, die die Grundlage für eine gerechte und verantwortungsbewusste Beurteilung bilden. Deshalb impliziert auch dieser Kompetenzbereich eine gewisse Reflexivität.

Reflexionskompetenz

Aus den Hinweisen der HRK, der HKL und insbesondere aus den KMK-Standards wird deutlich, dass Reflexion im Kontext der Lehrerausbildung einen zentralen Stellenwert einnimmt. Zudem wird klar, dass Reflexion stets in der Konstellation Wissenschaft, Praxis und Person erfolgen muss. H. Meyer formuliert dazu:

‘Reflexionskompetenz besteht aus der Fähigkeit, Theorie- und Praxiswissen aufeinander zu beziehen und dadurch eine reflexive Distanz zur eigenen Berufsarbeit herzustellen‘, um sich kritisch damit auseinanderzusetzen.

Damit lässt sich eine Ausdifferenzierung des Reflexionsbegriffs im Rahmen der Ausbildung von Lehrern ableiten. Die Studierenden sollen ihr Handeln in der Praxis anhand theoretischer und wissenschaftlich fundierter Kriterien beurteilen, sodass die geforderte theoriegeleitete Reflexion der Praxis auch die eigene Positionsbestimmung beinhaltet.

Ich hoffe, dass mit diesem Beitrag ein wenig klarer wird, dass Reflexion im Lehramt nicht zum Selbstzweck durchgeführt wird, sondern einen großen Beitrag zur Professionalität eines Lehrers leistet.

Weitere Links

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.