Reflektieren mit TZI

Reflektieren mit TZI

Bei einem Praktikum an einer Hamburger Schule ist mir aufgefallen, dass die Reflexion nach TZI (Themenzentrierte Interaktion) ein gern genommenes Modell für die Unterrichtsrefelxion ist. Ich fand es jedoch jedes Mal schade, dass das 4-Faktoren-Modell nur eingeschränkt genutzt wurde. Es wurden eigentlich nur wenige Fragen in Bezug auf die einzelnen Faktoren berücksichtigt. Deshalb möchte ich in diesem Beitrag kurz auf das Refkektieren mit TZI eingehen.

Die Potenziale des Modells liegen nicht nur in der Reflexion der einzelnen Faktoren. Es ist viel interessanter die Verbindungen der vier Fakroten zu betrachten. Das Modell kann so auch für die Unterrichtsplanung genutzt werden. Der spannende Aspekt an diesem Modell ist es, dass es die Reflektierenden immer anhält die Bezüge zwischen den einzelnen Faktoren mitzudenken. Also Ich-Wir, Ich-Es, Ich-Globe, Es-Globe, Es-Wir und Wir-Globe.

Beispiel:

Ein Ich-Es Bezug wäre im Fall von Unterricht mein (Ich) Verhältnis zu dem Unterrichtsgegenstand (Es). Es könnte dann z.B. sein, dass ich mir bewusst werden muss, welche Einschränkungen, Ideen, Befürchtungen ich gegenüber einem Thema habe.

Kurz erklärt: 4-Faktoren-Modell der TZI

Das 4-Faktoren-Modell ist ein methodischer Ansatz der Themenzentrierten Interaktion, der es erleichtert eine Gruppe prozessorientiert zu leiten. Es hat durch die Beachtung der 4-Faktoren (Ich, Wir, Es, Globe) zum Ziel, die Gruppenteilnehmer arbeitsfähig zu halten und mögliche Störungen und Blockaden angemessen und "human" zu lösen. Das untere Bild zeigt das Modell als Dreieck in einer Kugel (Kreis). Dabei sind die Spitzen des Dreickes das Ich, Wir und das Es bzw. der Inhalt von dem Globe umgeben. Es ist wichtig zu erkennen, dass alle vier Fakoren miteinander verbunden sind. Das Ziel ist es, alle vier Faktoren in einem Gruppenprozess in einer "dynamischen Balance" zu halten. Das bedeutet, je nach Bedarf jedem Faktor Raum und Aufmerksamkeit zu geben, wenn er dies erfordert. Dies führt dazu, dass der Prozess für die einzelnen Mitglieder angenehmer und mit weniger Störungen verlaufen kann.

TZI-Vierfaktorenmodell

Die Balance kann in diesem Modell an vielen Punkten aus dem Gleichgewicht kommen. Beispielsweise kann man im Unterricht die ganze Zeit ein (fachliches) Thema bearbeiten, während es Schwierigkeiten in der Gruppe (Wir) gibt und es deshalb eher an der Zeit wäre z.B. einen Konflikt in einer Klasse anzusprechen. Häufig ist es so, dass die Faktoren Ich, Wir, Globe erst angesprochen werden, wenn eine Gruppe gar nicht mehr an dem Thema arbeiten kann. Das Modell gibt einer leitenden Person die Möglichkeit, bereits im Vorfeld zu analysieren und zu reflektieren, welche Aspekte vielleicht zu kurz gekommen sind.

Impulse für die Reflexion mit TZI

An dieser Stelle möchte ich einige Fragen zum Teil aus dem Buch von Irene Klein aufzeigen, die für die Gestaltung von Unterricht interessant sein können. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die vorherige Auseinandersetzung anhand dieser Fragen eine ganz andere Stimmung in der Gruppe und bei mir schaffen.

Ich:

  • Wie geht es mir, wenn ich an diese Gruppe denke?
  • Worauf freue ich mich, was befürchte ich?
  • Welche Gefühle / Gedanken bewegen mich gegenüber einzelnen Teilnehmern, gegenüber meiner Rolle, meiner Aufgabe, gegenüber dem anstehenden Thema?
  • Welche Aspekte am Thema interessieren mich selbst?
  • Wie gehe ich auf diese Gruppe zu?
  • Was ging voraus, wie stimmt mich das?
  • Wie möchte ich mich gerne als Leiter verhalten, wie ist mein Leitungsverständnis?

Wir:

  • Wie ist die Gruppensituation derzeit?
  • Wie lange sind wir zusammen, gibt es „Neue und Alte“, geheime Leiter, Parteien?
  • Wie ist das Klima – kooperativ, feindlich, offen? Was wird vermieden? Wie vertrauensvoll / misstrauisch wird zusammengearbeitet?
  • Wie kommunizieren die Teilnehmer üblicherweise miteinander / mit mir (wer genau mit wem)? Wie wirkt das wohl auf Einzelne, wie auch auf mich? Welche Folgen hat das?
  • Wie vermute ich, dass die anstehenden Themen / Aufgaben in der Gruppe „landen“ werden?
  • Welche Vorstellungen einer förderlichen Kommunikation habe ich?
  • Was wünsche ich mir anders?
  • Welche ersten Überlegungen / Konsequenzen fallen mir ein? Welche Struktur, welches Vorgehen, welche Interventionen könnten die Kooperationsfähigkeit der Gruppe fördern?

Es:

  • Worin genau besteht die Aufgabe / Sache? Was sind Teilelemente des Themas?
  • Wie kam es zu dieser Aufgabe / dem Thema?
  • Was sind sachliche Notwendigkeiten für die Aufgaben-, Themenbearbeitung?
  • Wie ist die thematische Struktur? Mein eigenes Interesse am Thema, meine Freude, Lust, Abneigung, Angst? Gefühle und Empfindungen, Wissen, Kenntnisse, persönliche Voraussetzungen? Das vermutete Interesse, Lust ... der anderen daran?
  • Welche Rolle habe ich / haben die anderen bei der Bearbeitung?
  • Welche ersten Überlegungen / Konsequenzen legen sich nahe, z. B. für den Einstieg in das Thema, für die Hinführung, für die Einladung, für die Durchführung, für die evtl. vorherige Einbeziehung der Teilnehmer?

Globe:

  • Aus welchen Bereichen / Situationen / Arbeitszusammenhängen kommen die Beteiligten (auch ich)? Wie beeinflusst das sie / mich? Wie offen kann das angesprochen werden?
  • Ist die Teilnahme an der Gruppe durch Auftrag bestimmt oder frei gewählt? Welche Folge kann das haben für das Engagement? Was davon kann angesprochen werden?
  • Wie ist das konkrete Umfeld, in dem die Sitzung / das Treffen stattfindet (Raum, Zeit, vorgegebene Sitzordnung, ...)? Welche Wirkung hat dies wohl auf alle Beteiligten?
  • Wie sind die Arbeitsbedingungen? 
  • Wirkt aktuelles Geschehen (Nachrichten, Wetter, ...) in die Gruppe hinein?

Das sind ziemlich viele Fragen, für mich ist es wichtig zu betonen, dass die TZI nicht nur ein Reflexionswerkzeug ist, sondern viel mehr eine Haltung ist, die an das Leiten von Gruppen auf eine besondere Art und Weise herangeht und regelmäßige Probleme anders löst.

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